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 Ich hab noch keinen Titel - füge ihn nach, wenn ich einen gefunden hab

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Rised Demon

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Anzahl der Beiträge : 178
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BeitragThema: Ich hab noch keinen Titel - füge ihn nach, wenn ich einen gefunden hab   Di März 15, 2011 7:01 pm

1.Kapitel
It doesn’t fit
„Man kann auch außerhalb eines Kreises stehen, ohne den Kopf nach dem zu recken, der im Mittelpunkt steht“

Durch die dumpfen Bässe, die über die Kopfhörer in Liliths Ohren dröhnten, hörte sie den Lärm des Schulaltages kaum, als sie in Richtung Klassenzimmer schlenderte. Der Blick ihrer dunkelbraunen Augen war stur auf die Schuhspitzen ihrer schwarzen Lederstiefel gerichtet.
Sie bot einen seltsamen Anblick, zwischen all den irgendwie gleich wirkenden Jugendlichen, die in den Korridoren herumlungerten. Ihre schlanken Beine steckten in einer dünnen, schwarzen Strumpfhose, die wirkte, als hätte ein übermütiger Hund daran herum gekaut, so viele Löcher zeigten ihre nackte Haut. Nicht einmal bis zur Hälfte des Oberschenkels ging ihr das knappe Röckchen, unter dem ihre dünnen Schenkel verschwanden. Seine Farbe war von einem tiefen Weinrot, und mit schwarzem Garn war ein schwarzes Karomuster darauf angedeutet. Der Stoff lag in leichten Falten und ein Gürtel mit silbernen Nieten, der zweimal um ihre Taille gewickelt war, sorgte dafür, dass das Kleidungsstück an seinem Platz blieb. Ihr Top, das locker an ihrem Oberkörper anlag, war beinahe durchgehend schwarz, nur an manchen Stellen konnte man, wie kleine Risse rote Farbe erkennen. Darüber eine Lederjacke, natürlich ebenso in der Farbe der Nacht.
Keiner konnte sagen, dass Lilith in der Masse unterging, aber dafür konnte auch niemand behaupten, dass sie irgendwo dazugehörte. Aber was interessierte Sie das? Sie wusste, wie sie auf andere wirkte und das war ihr recht, sonst würde sie sich auch anders kleiden, ja anders verhalten.
Als sie die Tür zum Klassenzimmer aufschob, hob sie den Kopf und straffte die Schultern, als würde sie auf ein Schlachtfeld schreiten. Ihre schulterlangen, schwarzen Haare wurden leicht zurückgeworfen, als sie ihren Blick vom Boden wegschweifen ließ. Ihr Haaransatz saß tief auf der linken Seite, nur knapp über ihrem Ohr, sodass kürzere Strähnen ihre Stirn beinahe völlig verdeckten, ohne dass ihr jedoch Haare in die Augen hingen. Von ihrem Scheitel liefen ein paar dunkelrote Strähnen in ihren Schopf.
Keiner schien auf das ein wenig zu stark geschminkte Mädchen zu achten, als es den Raum durchquerte und sich auf den freien Platz in der Mitte der letzten Reihe sinken ließ. Missmutig warf sie noch einmal einen Blick in die Klasse. Die meisten hielten sich bei der kleinen Sitzgruppe im hinteren Teil des Raumes auf und schwatzten ausgelassen, alle anderen waren entweder in einem der anderen Klassenzimmer, oder bereiteten sich auf ihren Plätzen auf die nächste Stunde vor.
Lilith bevorzugte, sich an keine der drei Möglichkeiten zu halten. Sie saß einfach da, immer noch mit den Kopfhörern auf und starrte grimmig auf die vollgeschmierte Tischplatte.
Doch auf einmal war es vorbei mit dem friedlichen Nichtstun. Lil verspürte ein leichtes Ziehen in ihrem Ohr und schließlich Brach die Musik ab und die Kopfhörer vielen ihr auf den Schoß. Sie musste sich gar nicht umdrehen, um zu wissen, wer an ihren Kabeln gezogen hatte. Trotzdem fuhr sie zu dem Jungen herum.
„Was wird das, Andy? Willst du, dass ich dir den Kopf abreiße?!“, wetterte Lilith und funkelte den schlaksigen Jungen, der verschmitzt grinsend vor ihr stand, an.
„Sieh einer an, es kann sprechen!“ Ein beinahe kindliches Leuchten trat in seine hellen, blau-grünen Augen, als hätte er gerade einen Marienkäfer gefangen.
„`Es´ kann dir auch eine knallen!“ Das war eine leere Drohung, Lil war nicht in der Stimmung, dem Jungen durch das Schulgebäude nach zu hetzen.
Andy fuhr sich durch die zerzausten, dunkelblonden Haare und lächelte entschuldigend. Das schwarzhaarige Mädchen konnte nur den Kopf schütteln. Aber wie jeder andere konnte sie ihm nicht lange böse sein, auch wenn sie nicht zurückgrinste.
Aus reiner Gewohnheit ließ sie den Blick über Andy – eigentlich ja Andrew – schweifen, auch wenn er immer gleich aussah. Lilith fragte sich wirklich, woher Er die ganzen, vollkommen gleich geschnittenen Kapuzenpullover in den verschiedensten Farben hatten.
Lils Augen blieben an seinem rechten Arm hängen, wo das Shirt hochgekrempelt war, da die ganzen türkisen Bändchen, die um sein Handgelenk und darüber hinaus, den Blick auf seine gebräunte Haut versperrten, nicht unter den Ärmel passten. Nur einige wenige andersfarbige hatten sich unter den riesigen Knäul gemischt.
Sie stöhnte entnervt auf. Diese Dinger hingen ihr wirklich zu den Ohren raus.
„Ich hab jetzt ein weißes!“, verkündete er stolz und zog an einem der Bänder, dann ließ er es mit einem leisen Schnalzen wieder zurückknallen.
„Schön für dich!“, zischte sie und verdrehte die Augen.
Lilith wollte sich schon wieder umdrehen, als Andrew ihre Handgelenkte packte und sie herumdrehte.
„Du hast gar keine Bänder?“, erkundigte er sich verblüfft und untersuchte noch einmal Ihre Arme. Mit einem Ruck entzog ich sie ihm und ballte die Hände auf ihrem Schoß zu Fäusten.
„Wen interessiert’s?!“, grummelte Lil. Sie hatte sehr wohl welche, wenn auch nicht viele, aber sie trug sie nicht, weil sie erstens nicht zu ihrem Stil passten, das zweitens vollkommen kindisch war und sie drittens nicht auf die Farben ihrer Armbänder reduziert werden wollte.
„Jeden!“, Andrew zog das Wort in die Länge, als würde er versuchen, es zu singen.
„Ich bin aber nicht jeder“, stellte Lilith trocken fest. „Außerdem habe ich sehr wohl welche – um deine Frage zu beantworten…“, fügte sie hinzu, immerhin wollte sie ja nicht als völliger Outsider dastehen, „Nur ist dieses „Spielchen“ vollkommen bescheuert“
„Aber es ist Tradition hier. Du wirst von den bösen Geistern der Schulgründer gefressen, wenn du deine Bänder nicht trägst!“
Das Gespräch war beendet. Das beschloss Lil jetzt einfach so, und wandte sich ab. Wenigstens war Andy einer von denen, die es merkten, wenn man Sie in Ruhe lassen sollte, also zog er von dannen.
Sie wickelte die Kopfhörer einfach um den MP3-Player und ließ das kleine Ding unter ihrer Bank verschwinden.
Na super, jetzt hatte es Andy tatsächlich geschafft. Lilith wollte jetzt in Erfahrung bringen, wie es um ihre Bändchen stand. Zwar würde sie sie sicher nicht tragen, aber sie würde es schon interessieren, wo sie bei den anderen Schülern stand.
Lil wollte eigentlich schon aufstehen, als sie den Auflauf zwischen ihrer Klassenzimmer Tür und der des Raumes gegenüber bemerkte. Das konnte nur eines bedeuten. Die Bändchen für heute wurden verteilt.
Lilith stöhnte entnervt und stützte den Kopf in die Hände. Sie fragte sich wirklich, welches kranke Hirn sich diesen Mist ausgedacht hatte. Bänder, die verschiedene Komplimente signalisierten und wer am meisten von bestimmten Farben hatte, war natürlich total beliebt unter allen anderen. Die Bänder konnte jeder Schüler gratis „verschicken“, allerdings – klarerweise – nicht an sich selbst. Jede Farbe hatte eine bestimmte Bedeutung, so waren die türkisen, die bei Andrew die Überhand hatten „Du bist nett, aber nicht ernst zu nehmen“ und das weiße, auf das er so stolz war bedeutete „Du bist cool“.
Verteilt wurden die Bänder in den Klassen einzeln, jedem Schüler die seinen. Wenn man sie nicht entgegen nahm, wurden sie in den Spint des jeweiligen Jugendlichen gelegt. So endete es bei Lil immer, auch wenn sie meistens zuhörte, sie war sich meistens zu schade, rauszugehen und ihr eines Bändchen pro Woche entgegen zu nehmen.
Lilith hörte mir halbem Ohr hin, als ein Name aufgerufen wurde, der ihr immer gleich eine Gänsehaut aufzog. „Collin Black“, rief der Junge, der die Bänder austeilte. Hatte der Kerl jemals schon was gekriegt? Davon hatte Lil auf alle Fälle noch nie was mitgekriegt. Kein Wunder auch, immerhin konnte man mit den Dingern nur Komplimente übermitteln.
Lil war normalerweise nicht neugierig, aber das interessierte sie jetzt. Sie erhob sich und durchquerte den Raum, sodass sie nah genug bei der Tür stand, um alles genau zu hören und durch die Lücken zwischen den anderen auch etwas zu sehen. Lilith konnte, auch wenn sie Collin selbst nicht sah, schon erkennen, wo er stand. Denn da war ein Loch mitten in der Gruppe. Sie war ja nicht die einzige, die den Kerl respektierte – besser gesagt Angst vor ihm hatte.
Sie versuchte gar nicht, ihre Augen auf ihn zu richten, da sich jemand, der größer als sie war, in ihr Blickfeld schob, stattdessen starrte sie zu dem Bändchenverteiler und versuchte zu erkennen, was er da für ein Bändchen in der Hand schwenkte. War das weiß? Nein, nicht ganz. Zuerst dachte sie fast, es wäre cremefarben, aber das wäre doch einigermaßen seltsam gewesen, denn der Kerl hatte bei Gott keinen liebenswerten Charakter. Dann viel es ihr wie Schuppen von den Augen: Eisblau.
Lilith spürte, wie ein amüsiertes Lächeln um ihre Lippen tanzte „Zu dreckig um es auszusprechen“ Zur Hölle ja! Aber nicht auf diese Art und weiße, wie es bei den Bändern gemeint war, sondern eher wie „Wenn du dem Kerl im Dunkeln begegnest, lauf, lauf, lauf!“
Na wenigstens passt das Band zu seinen Augen, dachte Lil in einem Anflug von Sarkasmus. Es war ja wahr, die Iris des Jungen war tatsächlich von einem verwirrend-klaren, hellen Blau.
Der Junge, dessen schwarze Stirnfransen ihm über das rechte Auge hingen, nahm das Bändchen entgegen. Seine Augenbraue schoss spöttisch in die Höhe, als er das Band anstarrte. Mit einer lässigen Handbewegung warf er es über die Schulter und es landete genau im Müll.
Eines musste man dem Kerl ja lassen, er wusste, wie man cool rüberkam. Wenn er ein Band verdient hatte, dann ein weißes.
Man! Jetzt dachte Lil auch schon darüber nach, jemandem so ein Ding zu schicken. Sie schüttelte den Kopf und als sie den Blick wieder auf Collin richten wollte, konnte sie nicht einmal mehr seinen Rücken in dem schwarzen Mantel ausmachen.
Um Lilith herum brach unruhiges Getuschel aus, und einige drehten sich um, um noch einen Blick auf Collin zu erhaschen.
Armselig, dachte das dunkelhaarige Mädchen. So interessant war er auch wieder nicht.
Lil wandte sich um und war bereits auf dem Weg zu ihrem Platz, als ihre Ohren erneut auf den Bändchenverteiler aufmerksam wurden. „Lilith Walkert!“
Sie wäre beinahe einfach weitergegangen, doch aus irgendeinem Grund rief der Junge ihren Namen noch einmal, und noch einmal, bis sie sich schließlich umdrehte. In ihren Augen funkelte die Wut. Warum konnte der Typ ihr nicht einfach die Bänder wieder in den Spint legen und aus fertig?
„Was?! Ist es jetzt nicht einmal mehr gestattet, sich die Dinger in den Schrank legen zu lassen?!“, schimpfte sie, noch nicht einmal bei dem Austeiler angekommen.
„Normalerweise schon, aber bei dem Band, das du geschickt bekamst…“, er biss sich sichtlich nervös auf die Unterlippe.
„Gib schon her, damit wir’s hinter uns haben, mich kratzt das nämlich nicht wirklich“, meinte Lil trocken.
„Du bekommst ein…“, er räusperte sich, um zu einer festen Stimme zu finden. „…schwarzes Band“, brachte er schließlich hervor. Durch die Menge ging ein verwirrtes Raunen.
Lilith hatte noch nie etwas von einem schwarzen Band gehört, aber das musste nichts heißen… Allerdings schienen alle anderen auch verwundert.
Lil verdrehte leicht die Augen und schnappte dem Ausgeber das Bändchen aus der Hand, das er gerade aus seiner Tasche gezogen hatte.
„Danke“, zischte das dunkelhaarige Mädchen sarkastisch und schlüpfte wieder zwischen den anderen Schülern hindurch. Sie überlegte kurz ob sie das Band dem von Collin hinterher in den Müll pfeffern sollte, aber das wirkte dann doch sehr nachgeahmt, also streifte sie es sich einfach übers Handgelenk. Sie beschloss, diejenige zu fragen, die sich am besten mit den Bändern auskannte, da sie von jedem mindestens zehn hatte. Kylie. Das Problem war nur, dass das Mädchen wohl nicht mit Lil sprechen wollte. Sei es drum, dann halt nicht. Sowieso würde gleich die Stunde beginnen.
Lilith setzte sich wieder auf ihren Platz, diesmal war auch ihr Banknachbar da.
Wie wunderbar, dachte das dunkelhaarige Mädchen und warf dem Jungen – Benjamin Morris – einen verächtlichen Blick zu, den er mit ebenso großer Abscheu erwiderte.
„Na, bist du von den Toten auferstanden, Gruftie?“, erkundigte er sich spöttisch.
„Falls deine eine Gehirnzelle es immer noch nicht verstanden hat, den Stil nennt man PUNK!“, zischte Lilith und strafte ihn mit einem vernichtenden Augenaufschlag.
„Wie auch immer, Walkert“, er lachte gehässig, „So und so suchst du nach einem Vampir, der dich beißt.“
Müde massierte Lilith sich die Schläfen und schloss dabei die Augen. Da war ja eine Gehirnzelle noch zu hoch gerechnet.
„Und du solltest deinen Daddy bitten, nach einem Wissenschaftler zu suchen, der klonen kann, und diesem dann Geld zu bieten um deine grauen Zellen zu vervielfältigen, vielleicht erreichst du ja dann mal die Intelligenz eines Steines und lernst zu SCHWEIGEN!“ Die Worte sprudelten aus ihr heraus wie ein Wasserfall, und das auch noch mit immenser, schneidender Schärfe.
Benji blinzelte sie verwirrt an, als hätte er den Sinn ihres Satzes nicht verstanden. Er klappte den Mund auf, klappte ihn wieder zu und noch einmal auf. Er wusste nicht, was zu sagen. Gut so. Verdammter Snob, hielt sich wohl für was Besseres!
Wie aufs Stichwort stießen natürlich Benjamins Freunde zu ihnen, die merkten, dass er gerade ein Wordgefecht verloren hatte. Wunderbar. Streite nie mit einem Löwen, sonst kommt das ganze Rudel. Vor allem, wenn es der Löwe ist, der den anderen Alkohol, Zigaretten und alles andere finanziert.
Allen voran mischte sich natürlich der breitschultrige Jeff in das Geschehen ein. Er war ja sowieso immer auf Streit aus, da kam ihm die kleine Auseinandersetzung gerade gelegen.
Er reckte das von einem unordentlichen Stoppelbart überzogene Kinn vor und funkelte Lil aus seinen kleinen, harten Augen heraus an, die die Farbe von grüner Kotze hatten.
Jeff Clark war der gefürchtete Schulschläger und war um drei Jahre älter als der Jahrgang, da er schon oft sitzengeblieben war. Er war groß, übergewichtig und konnte einem ziemliche Angst einjagen. Seine Haare waren kurz geschoren sodass sie nur in kurzen Borsten von seinem Kopf abstanden. Alles in allem wirkte er wie ein Ex-Knacki.
Plötzlich kam Lilith sich extrem klein vor. Klein und schmächtig. Würde der Kerl ihr jetzt eine knallen, müsste man wohl sofort einen Krankenwagen rufen.
Lil erhob sich und versuchte, größer zu wirken, was bei den beinahe zwei Köpfen Unterschied zu Jeff wohl nichts brachte.
Sie atmete tief durch und wandte sich dann mit unverändert herablassender Stimme erneut an Benji: „Kannst du dich nicht alleine verteidigen, Kleiner?“ Lilith zog eine Augenbraue hoch und spuckte vor dem Jungen auf den Boden. Schlechte Idee.
Mit einem Ruck hatte Jeff sie zu sich umgedreht und hob sie am Kragen ihrer Lederjacke hoch. Ihre Füße baumelten einige Zentimeter über dem Boden.
Wenn der Streit zu Ende ist, wird nicht mehr nur meine Strumpfhose Löcher haben, dachte sie in einem Anflug von Galgenhumor, der ihr auf Grund der Panik in die Gedanken kroch.
Lilith zappelte ein wenig mit den Beinen, um wieder Land zu gewinnen, was ihr aber nicht gelang. „Lass mich runter, du Vollidiot!“, wetterte sie und versuchte, dem Schläger in den Schritt zu treten. Er hielt sie von sich weg, wie ein tollwütiges Frettchen, dass man beim Eierklauen erwischt hatte und das man davon abbringen wollte, einen zu beißen.
Jeff beutelte das Mädchen und ließ sie dann mit einem zischenden Lachen auf den Boden knallen.
Lilith rieb sich den Kopf während sie sich an ihrem Stuhl wieder auf die Beine zog.
„Willst du dich nicht bei Benji und mir entschuldigen, Punklein?“, fragte er mit befehlender Stimme.
Wenigstens wusste er, wie man ihren Kleidungsstil bezeichnete. Fazit: Sie mochte ihn ab jetzt lieber, als Benji, auch wenn er sie wohl gleich krankenhausreif prügeln würde.
„Darauf verzichte ich lieber, wenn’s dir Recht ist… obwohl, ich verzichte auch darauf, wenn es dir nicht Recht ist“, meinte die Schwarzhaarige trocken.
Aus dem Augenwinkel sah sie jemanden hecktische Gesten vollführen. Ihr Blick zuckte zu der Person. Es war Andy, der deutete, dass Lilith einen Kopf kürzer werden würde, wenn sie Jeff weiter provozierte.
„Hey, Clark!“, schrie der dunkelblonde Junge.
Jeff drehte sich nur halb zu ihm um, er wirkte nicht sehr erfreut über die Unterbrechung.
„Willst du das nicht auf eine erwachsene Art und Weise lösen? Vielleicht kann sie dir ja… fünf Dollar Schutzgeld geben, damit du sie in Ruhe lässt.“
Lil schüttelte den Kopf. Das war erstens keine erwachsene Lösung, das war kriminell – zwar nicht mehr oder weniger, als sie zusammen zu schlagen, aber naja – und zweitens war Lilith pleite.
Jeff zeigte seine vom Rauchen gelben Zähne und grinste Lil an. „Hast du denn so viel Kohle? Immerhin kannst du dir nicht mal ganze Strumpfhosen leisten.“ Benji neben ihr kicherte. Sie trat ihm gegens Schienbein.
Trotzdem biss Lilith sich auf die Unterlippe. „Ich würde dir nicht einmal Geld geben, wenn aus dem Arsch meines Dads so viel Geld fließen würde, wie aus dem von Morris‘ Papi“, spielte sie über die Tatsache hinweg, das sie tatsächlich blank bis auf die Knochen war.
„Das reicht mir als Antwort“, meinte Jeff und tat einen gefährlichen Schritt in ihre Richtung. Lil wich nicht von der Stelle, auch wenn er so nahe war, dass sie seinen widerlichen, nach faulen Eiern stinkenden Atem roch und ihn auch auf ihrer Haut spürte.
Er holte aus und traf sie mit einem gezielten Schlag in die Magengegend. Sie flog zurück und schlitterte ungeschickt gegen die Wand.
Kaum einen Augenaufschlag später stand Jeff über ihr.
Lil war übel. Sie hatte das Gefühl als müsste sie sich gleich übergeben. Sie kauerte sich zusammen, heißer Schmerz zuckte durch ihren Körper, doch sie zwang sich, es sich nicht anmerken zu lassen.
Jeff hob die zur Faust geballte Hand und wollte Lilith direkt ins Gesicht schlagen, dann wäre alles ganz schnell vorbei gewesen und sie wäre im Krankenhaus wieder aufgewacht, mit Kopfschmerzen, aber wenigstens weit weg von dieser grauenhaften Schule.
Doch plötzlich durchschnitt eine kalte Stimme die angespannte Atmosphäre.
„Lass es“, zischte der Unbekannte nur, dann trat er neben Jeff. Es war Collin. Lilith fielen beinahe die Augen aus dem Kopf. Was tat der Typ da?!
Seine eisblauen Augen schienen Jeff zu durchlöchern, während er erneut begann zu sprechen, diesmal wandte er sich an Benji, der breit grinsend zugesehen hatte: „Bist du wirklich so erbärmlich, dass du einen Bodyguard brauchst, der nicht fähig ist eins und eins zusammen zu zählen?“
Benji kam näher und starrte Collin an. Seine Kinnlade war schon wieder runter geklappt.
„Du… kannst… sprechen?“, erkundigte er sich perplex.
„Ja, und das sogar fließend und nicht so abgehackt wie du“, entgegnete der schwarzhaarige Junge und zog spöttisch eine Augenbraue hoch.
„Misch dich nicht in Sachen ein, die dich nichts angehen!“, schimpfte Jeff und zog Collins Aufmerksamkeit wieder auf sich. Eigentlich wollte der Schläger noch über den Jungen im schwarzen Trenchcoat fluchen, doch dieser eiskalte Blick aus den strahlendblauen Augen ließ ihn abrupt verstummen.
Der Kreis der sich um den kleinen Kampf gebildet hatte, löste sich mit einem Mal und alle huschten auf ihre Plätze. Auch Jeff und Benji wollten einfach nur von Collin weg.
Der Schwarzhaarige wandte sich ab und steuerte auf seine Bank am Rand der letzten Reihe zu, als wäre nichts gewesen.
„Danke“, murmelte Lilith, während sie sich aufrichtete und sich den Dreck von der Kleidung klopfte. Collin entgegnete nichts, er winkte nur desinteressiert ab, ohne sich zu ihr umzudrehen.
„Jetzt warte doch mal!“, rief sie und lief zu ihm. Er hatte sich bereits auf seinen Platz gesetzt, also lehnte Lil sich gegen die Tischkante.
„Was ist denn noch? Reicht es dir nicht, einmal am Tag Prügel zu beziehen?“, erkundigte er sich kühl.
Oh Scheiße, ich stecke Drohungen normalerweise locker weg, aber das…, Lilith schluckte trocken. Es kam ihr vor, als würde die Luft gefrieren, als seine Augen sich auf sie richteten. Er hatte sie noch nie so direkt angeschaut, jetzt wusste sie, warum die anderen so schnell von dannen gezogen waren.
„Ähm…“, machte Lilith nur. „Ähmmm…“, und noch einmal.
„Sonst noch was? Kommt auch noch ein „Öhm“?“ Collins Lippen kräuselten sich zu einem spöttischen Lächeln. Lilith starrte ihn an, dann stand ich auf und lief so schnell wie möglich auf ihren Platz. Weg von dem Kerl.
Den Rest des Tages verbrachte das schwarzhaarige Mädchen damit, immer wieder verstohlene Blicke zu dem unheimlichen Jungen zu werfen und sich Fragen über Fragen zu stellen.
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